Freitag, November 30, 2007

Horatio malt Bilder


:-)

Was ist das für ein schwarzes Ding unten Links?

Edit:
Die Rätsel sind gelöst.

Freitag, November 23, 2007

Horatio feiert Geburtstag

Ja, ich bin auch eingeladen.
Ich weiß nicht, ob das alles so gut zusammenpasst, eine kindliche Einladung ohne Absender, das Weblog eines kranken Horatio und ein geplanter Geburtstag. Das Ganze ist irgendwie kriminah und ganz mysteriös, gruselige Referenzen auf das Zimmer 217, der Text von Horatio dann doch eher melodramatisch.

Da allerdings öffentlich gewarnt wird und die Berliner Charité zu weit weg ist, muss ich leider absagen, aber natürlich gehe ich davon aus, dass eine virtuelle Teilnahme möglich ist. Es sollte nichts dagegen sprechen, zu schauen. Leider ist so eine ernsthafte Teilnahme und das aktive Mitspielen immer zu zeitaufwändig... Donalphonsoeske Mutmaßungen möchte ich mir jedenfalls sparen und einfach Spaß daran haben, dass hier ein Ansatz von Mediennutzung ausprobiert wird. Von Marketing ist noch (!) nicht die Rede, Philipp Retingshof war ja eigentlich auch nur ein Student...

>> Lilith regt sich auf
>> Ein Forum diskutiert
>> Und Polylux berichtet - ich glaube, an die Pizza hätte ich mich nicht rangetraut...

Edit: 26-11-2007
Na ja, jetzt pünktlich zur geladenen Zeit verweist die Eingangstür zu Horatios Zimmer plötzlich auf ein langweiliges Web 2.0-Ding (natürlich Beta *gähn*), das im weitesten Sinne zu Holtzbrinck gehört. Und wie so oft - was Martin Oetting bei angeblich viralen Kampagnen auch immer bemängelt - der Zusammenhang von Kampagne und Produkt bleibt mir schleierhaft. Schade.

Ich wünsche mir mal ein Spiel, wo es auch was zu gewinnen gibt, wo man auch ohne viel Zeit zu haben mitspielen kann und das nicht so schnell beendet ist. Wo die in der Kampagne erzählte Geschichte was mit dem Produkt zu tun hat und bitte mit einer ansprechenden Dramaturgie... Wenn das dann Reklame ist, so what.

Das hätte dann vielleicht wirklich mal Chancen, dass Blogger darauf verlinken und nicht nach der Enthüllung sogleich alle Links entfernen.


Ups ... das war wohl mal wieder ein Schnellschuss. Die Community ist nur Mittel zum Zweck, nicht Pudels Kern. Womit mal wieder bewiesen wäre: wenn man keine Zeit und keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten. Sonst verkomme ich wirklich noch zu so nem Alphonso...

Kostenloses Hörbuch für SciFi-Fans

Aktuell gibt es eine nette Gratisaktion auf ihr-hoert.de: Das Groschenroman-Portal bietet bis Weihnachten den ersten Teil der Science Fiction-Reihe „Gaarson Gate“ kostenlos zum Download an. Fans der leichten Literatur können den 84 Minuten langen Roman „Der Wert eines Menschenlebens“ kostenlos herunterladen und sich in die
Welt von Tipor Gaarson und
seinen Zeitgenossen beamen.

Sonntag, November 04, 2007

Viralität von Filmen und Büchern oder "wenn man erstmal den Würgereflex überwunden hat, ist eigentlich alles viral"

Was Filme (und hier soll es um Kinofilme gehen, nicht um die Clips, die von hippen Werbefuzzis für YouTube gebastelt werden) viral macht, ist eigentlich altes und bewährtes dramaturgisches Handwerk: Witz, Coolness und dergleichen. Was heute von einigen Leuten als Trigger gefeiert wird (vgl. etwa Schock/Angst/Selbsterhaltung), sind bewährte dramaturgische Überraschungseffekte, die heute viral wirken können, weil jeder das entsprechende Werbefilmchen weiterleiten kann. Gleiches mit anderen "Triggern".

Doch was macht speziell Kinofilme viral? Ein nettes Beispiel liefert der Trailer von Ratatouille - wer die sehr früh und sehr häufig gezeigten Trailer einmal mit dem Film verglichen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass diese sehr witzigen Szenen nur für den Trailer entstanden und nicht dem Film entnommen sind. Sehr markant ist, was Emile zu seinem Bruder Remy sagt: "Wenn man erstmal den Würgereiz überwunden hat, kann man eigentlich alles essen". Diese weise Aussage hat echtes Potenzial, durch die Betriebskantinen zu gehen und auf Schulhöfen jedes Pausenbrot zu begleiten. Wie gut es letztlich funktioniert hat, ist unklar, möglicherweise ist dieser Satz auch viel zu lang, aber genau solche Schoten sind es, die weitergetragen werden.

Derartiger Wortwitz ist im Trailer natürlich sehr gut untergebracht, doch auch im eigentlichen Film effektiv. Jede markante Aussage mit Esprit kann es sein. Hier dürfte jeder eigene Favoriten haben, besonders diejenigen, die ganze Filme zitieren können. Man zitiert etwa Hannibal Smith vom A-Team: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" oder eine alte klingonische Weisheit: "Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird".

Gleiches gilt für Running Gags, mit denen man nicht nur im Insider-Kreis sofort die Lacher auf seiner Seite haben kann, sondern zugleich allen anderen die Nachteile aufzeigt, nicht dazu zu gehören. Hier noch einige Beispiele aus der Unterhaltungsliteratur, wo das Prinzip natürlich auch funktioniert. Sollte das hier jemand verstehen, ist das etwa "Zufall? Synchronizität? Das verchromte Megaphon des Schicksals?" oder es handelt sich einfach um einen Fan von Robert Rankin. Ebenso wie Fans der Geisterjägerin Patricia Vanhelsing stets versichern, sie hätten das Standardwerk "Absonderliche Kulte" des deutschen Okkultisten Hermann von Schlichten aus dem mittelalterliche Latein übersetzt, wenn man sie nach dem letzten Wochenende fragt. Gut, so zahlreich sind die Fans der beiden Beispiele möglicherweise nicht, aber der Mechanismus der Running Gags beinhaltet hochgradig virales Potenzial.

Wie es ausschaut, dämmert den Machern bereits die virale Wirkung markanter Aussagen und ihr Werbeeffekt für die Filme, doch noch scheint es nicht, als würden sie wirklich bewusst eine Strategie der Vermarktung darauf aufbauen. Zudem kann noch weit mehr an dramaturgischen Kniffen als virales Mittel für die Vermarktung genutzt werden.

Wer noch schöne Running Gags kennt, bitte gern in den Kommentaren zum Besten geben.

>> Virales Marketing vs. Guerrilla
>> Virales Marketing im ethority Glossar

Sonntag, Oktober 28, 2007

Kinder in Deutschland und gesellschaftliches Image

Ein sehr leidvolles Thema ist - und da wird jeder gescheite Mensch zustimmen - das Thema Kinderlärm. Hier in Hamburg geht der Fall des Marienkäfer Kindergartens in Wandsbek Marienthal seit unsagbar langer Zeit schon durch die Medien. Nachbarn des besagten Kindergartens haben sich erfolgreich gegen unsere kulturelle Zukunft zur Wehr gesetzt und die Kleinen in die Knie gezwungen - die Kinder müssen weichen. Und die Pointe folgt auf dem Fuß: auch die neuen Nachbarn handeln bereits präventiv. Zum Schutz vor dieser unmenschlichen Bedrohung soll eine Lärmschutzmauer errichtet werden, so als handele es sich bei den Kindern um kleine Maschinen oder Autobahnen. Und das bei absolut netten, gesitteten und wohlerzogenen Kindern, wie dem Kontor aus verlässlicher Quelle zugetragen wurde.

Hier ist das Image einer ganzen Kultur bedroht, weil solcherlei von ganz oben geduldet wird. Geht es um Nachwuchs, beschränkt sich das politische Handeln auf kleine Imagekampagnen. Da wurde ein Testimonial bemüht, das als siebenfache Mutter noch Karriere machen konnte und gesagt "Kinderlärm ist Zukunftsmusik". Davon ist bei einigen offensichtlich nicht viel angekommen, außer vielleicht dass Politiker ein sehr sorgloses Leben führen und dass die verdammten Gören mal schön früh lernen sollen, ihre Musik leiser zu drehen.

Peinlich ist es ohnehin, schlimmer wäre es noch, wenn es über die Grenzen schwappt. Da kann das Image einer ganzen Kultur Schaden nehmen. Wir haben es geschafft, eine Vokabel wie "Kindergarten" in andere Sprachen zu exportieren. Was kommt als nächstes? "They had to build a kinderlärmshutzwall to be safe". Vielleicht wird Deutschland ja noch als das Land berühmt, wo die Mauern, mit denen man sich vor Kindern schützt, dicker sind, als die Rohre, mit denen Kohlenmonoxid durch Wohngebiete geleitet wird.

Siehe auch:
>> Xander seine Welt
>> Zu laut - Richterin schließt Kindergarten, Handakte WebLAWg

Lesen Sie auch folgende vom Thema abweichende Berichte:
>> Marienkäfer-Plage
>> Marienkäfer als nützliche Bereicherung

Samstag, Oktober 06, 2007

Tatort: "Undercover Camping" - Namen sind Schall und Rauch

Der Fall "Undercover Camping" (NDR 1997) macht dem Titel alle Ehre. Die Namen der handelnden Figuren sind derart undercover, dass niemand weiß, wie sie richtig heißen.

Nummer 1: Rüdiger Köhler, der sich unter dem Namen Peter Kahlscheid versteckt. Im Netz auf offiziellen Seiten firmiert er als Dieter Kahlscheid, offenbar ein Name der in der Endfassung geändert wurde, denn selbst Brockmöller nennt ihn einmal noch Dieter, als er Stoever den Fall referiert, nur wenige Szenen später ist die Rede von Peter. Schließlich singt Stoever der netten Sofie auch das Lied "Peterle", das auch Eingang in die CD Tatort - Die Songs von Manfred Krug und Charles Brauer fand, nicht etwa "Dieterle".

Nummer 2: Köhlers Komplize - wie hieß der eigentlich wirklich? - sucht undercover nach dem Diebesgut. Er nutzt den Namen des Englischlehrers Jan Hoffmann (den Namen bekommt er schon vom Hehler, der von Horst Frank gespielt wird, Englischlehrer ist er laut Ermittler Struve in der letzten Lagebesprechung), laut Netz ist er angeblich der Deutschlehrer Jan Kott.

Dies nur als Aufklärung, denn auch renommierte Kanäle haben den Text übernommen:
>> Tatort-Fundus
>> Tatort-Fans.de

Immerhin kannten diese Leute auch Namen, die im Film gar nicht vorkamen, wie etwa den Nachnamen der von Stoever verehrten Sally "Braxton".

Freitag, September 21, 2007

Muskelaufbau

Laurenz P. (unten) ließ sich im Streit mit seinem Kollegen Hans-Peter H. (oben) zur Bemerkung "Ach, leck mich doch am Ar***" hinreißen. Eine Bitte, welcher letzterer sogleich und in absoluter Formvollendung nachkam.

(Bild gefunden in der Werbeanzeige eines Fitnesstudios, Text eigene Interpretation.)

Donnerstag, September 20, 2007

"Die Frau am Ende der Straße" (Drama, NDR 2006)

Der Fernsehfilm über die junge Mutter Martina, die an einer Sozialphobie leidet, ist schwere Kost. Das bedrückende Thema wird schauspielerisch grandios umgesetzt und ist schon damit ein Highlight. Doch die Dramaturgie ist einseitig und fast frei von Wendepunkten - was man hier verfolgt, ist der Weg in den Abgrund. Hier wird offensichtlich auf die Kerneffekte der antiken Tragödie abgezielt - Furcht (Phobos) und Mitleid (Eleos), oder wie Fuhrmann es bevorzugt Jammer und Schaudern. Es wird Furcht geschürt, davor irgendwann selbst zu erkranken oder mit Kranken zu tun zu haben und andererseits auch Mitleid mit den Betroffenen - Martina und Stefan sind nett. Doch erfolgt die Umsetzung dieses dramaturgischen Konzenpts mit anderen Prämissen als im antiken Drama: die hier betroffenen Figuren sind objektiv fehlerfrei, außer dass sie in eine spießige Doppelhaushälfte ziehen (aber dieser Fehler ist wohl nicht gemeint). Krankheiten sind keine Fehler. Dadurch bleibt die Katharsis verwehrt, Furcht und Mitleid bleiben bestehen. (Siehe auch Hamartia).

Die Aussage ist, ganz anders als man es aus dem Fernsehen gewohnt ist, eine sehr harte. Beginnt man zu interpretieren, warnt dieser Film vor dem Umgang mit psychisch belasteten Menschen - wer sich zu sehr mit Martina einließ, hatte letztlich das Nachsehen. Als einziger Ausweg für alle wird der Freitod gezeigt. Keine Hoffnung für Kranke. Der Arzt Doktor Eyck ist nicht da, wenn man ihn braucht und auch die vielzitierte Therapie hatte allenfalls einen oberflächlichen Effekt. Hier noch weiter zu spinnen, wäre fatal.

Nichts dagegen, dass schwere Stoffe auch zur Primetime laufen, aber wieso werden solche Filme prämiert? Ist es wirklich schon so ausweglos?

>> positive Kritik

Dienstag, September 11, 2007

So wird's gemacht

Fast jeder wird bereits festgestellt haben, dass moderne Kommunikationstechnik wissenschaftliches (und auch anderes) Arbeiten brutal lähmen oder gar komplett zunichte machen kann. Wer das nicht glaubt sollte einmal - als Reminiszenz an gute alte Schreibmaschinenzeiten nicht speichernd - ein Dokument anfertigen und zeitgleich mit fünf Leuten über einen sog. Messenger kommunizieren; nach einer Viertelstunde sei bitte zu prüfen, ob besagtes Dokument noch da ist oder ob der gestresste Forscher es bereits mittels einer Mausgeste in die ewigen EDV-Gründe verabschiedet hat.

Rettung bietet eine nicht mehr ganz so neue Erfindung: der Zettelkasten. Hier erklärt von einem Fachmann, Niklas Luhmann:



Nur den Überblick, den muss man selbst behalten.

Via: Kulturwissenschaftliche Technikforschung

Samstag, September 08, 2007

Rätsel um den Bundestrojaner

Zugegeben, wenn ich bei den Nachrichten besser aufpassen würde, wäre ich besser informiert. Doch mit kontinuierlich genährtem Halbwissen wird das Thema Bundestrojaner zum Myterium vom Ministerium. Wie wird man sichergehen, dass der Trojaner auch korrekt installiert wird, gibt es doch mit gewollter und gekaufter Software schon so viele Probleme.

Wie erhält man den Trojaner? Als E-Mail-Anhang? Blogger werden heutzutage ja gern auch per herkömmlicher Post an die im Impressum gehijackte Adresse auf Produktneuheiten aufmerksam gemacht und mit Warenproben ausgerüstet.

"Sehr geehrter Bundesuser, wir bedanken uns für Ihr Interesse an einer kostenlosen Online-Durchsuchung. Im Anhang erhalten Sie unsere neueste Überwachngssoftware. Bitte installieren Sie diese laut Anleitung, sollten Sie damit Probleme haben, melden Sie sich bitte unter der Hotline 01805... Wir wünschen Ihnen viel Freude mit unserem Produkt. Bedenken Sie immer: Staatssicherheit ist Familiensicherheit. Diese E-Mail wurde maschinell erstellt und ist daher auch ohne Unterschrift gültig. MfG Ihr Bundesminister des Inneren Schäuble."

Was ist, wenn die Firewall abblockt, die E-Mail mit Spionageanhang versehentlich gelöscht wird oder einfach ein unvorhergesehener Fehler bei der Installation auftritt? Kann ich das Spionagetool unter Linux überhaupt nutzen? Und wird es eine Supporthotline geben?

Fragen über Fragen...

Mittwoch, August 15, 2007

Informationsdefizit Flugreisebestimmungen

Offensichtlich besteht ein riesiges Informationsdefizit, was die aktuellen Flugreisebestimmungen angeht: Das dramaturgische Kontor führt die Google-Ergebnisliste an - und das mit einem billigen Scherz und Geunke über die Formulierung dieser Bestimmungen.
Ansonsten: Eine reine Informationswüste über Google und auch auf den Seiten der Flughäfen ein schlimmes Herumgeklicke, bis man die versteckten Informationen hat. Das beschert mir täglich zahlreiche genervte Besucher.

Doch hier gibt es sie: die Flugreisebestimmungen, im Amtsdeutsch Handgepäck-Vorschriften auf Flugreisen auch zum Download als PDF.

Edit 21.07.2010: Der tote Link wurde erneuert.

Donnerstag, Juli 12, 2007

Abenteuer, Romantik, SciFi, Fantasy uvm. - Groschenromane als Hörbuch zum Download

Es tut sich was auf dem Groschenroman-Markt: haben bisher der Martin-Kelter-Verlag, Bastei Lübbe und Cora sowie einige kleinere Verlage das Feld unter sich aufgeteilt, und spannende Geschichten auf billigem Papier vermarktet, gibt es jetzt einen Verlag, der die Romane sozusagen "handverlesen" serviert. Ihr-Hoert.de (das Label vom frisch gegründeten publicamus auditis Verlag) bietet Groschenhefte im Format mp3 als Hörbuch zum Download an.

Angeboten werden Hörbücher von ca. 90 Min. aus neun Genres in drei Sparten:

Abenteuer: Krimi, Western und Grusel
Herzschmerz: Liebesromane, Historical Love, Young Love und Arztromane
Andere Welten: Science Fiction und Fantasy

Die Hörbücher sind preiswert (aktuell ab 1,99 €), aber hochwertig und legen großen Wert auf Qualität. Die Autoren sind vorwiegend alte Hasen, die bereits seit langem publizieren und den gewohnten Stil der Unterhaltungsliteratur verinnerlicht haben. Gelesen werden ihre Werke von erfahrenen Sprecherinnen und Sprechern. Zwei Kostproben des Gruselgenres (gelesen von Isabel Garcia, bekannt u.a. aus dem Radio) und des Westerns (gelesen von Walter Wigand) sind besonders faszinierend. Frau Garcia schafft allein durch ihre Stimme eine Spannung, die selbst das Telefonbuch zu bester Unterhaltung machen würde, und Wigand klingt, als hätte er sein Leben tatsächlich in der Prärie bei den Kühen verbracht.
Sehr angenehm ist das Selbstverständnis des Verlags. Die beiden Gründerinnen Joana Schulz und Susanne Geißler bekennen sich als Fans der Groschenliteratur und pflegen einen offenen Umgang: die Autoren treten hier (vielleicht zum ersten Mal) unter ihrem Realnamen auf und um die Sache wird nicht herummanövriert - der Auftritt hebt sich leicht kitschig von allem Bekannten ab und was man hier downloaden kann sind "Groschenromane".

>> Hörspiele.de über das Angebot
>> Irrlicht-Rezensionen im Kontor: 1, 2

Montag, Juni 11, 2007

"Harry, hol schon mal den Wagen" oder der Unterschied zwischen den Wepper-Brüdern

Harry Klein (Fritz Wepper) begann seine Karriere beim Kommissar Keller, bevor er mit kleinen Feierlichkeiten aus der Abteilung verabschiedet wurde und zu Oberinspektor Derrick wechselte. Das war 1974 in der Folge "Spur von kleinen Füßen". Nachfolger war - der unaufmerksame Zuschauer hat den Wechsel fast übersehen - sein kleiner Bruder Erwin Klein (Elmar Wepper).

Der Unterschied zwischen diesen Brüdern und wer von den beiden wirklich Karriere gemacht hat, ist mir gestern in der Kommissar-Folge "Die Kusine" klar geworden. Während Harry Klein vor allem damit berühmt geworden ist, dass er regelmäßig den Wagen geholt hat (auch wenn das angeblich nie so gesagt wurde), entschied sich sein Bruder für einen Trick (abgesehen davon war er zu Fuß gekommen): er wusste genau, dass es in der besagten Folge bereits zwei Männer das Leben kostete, dass sie "den Wagen geholt" hatten und noch schnell die sehr männliche Kusine der jungen Renate nach Hause bringen wollten. Also entschied er sich stattdessen für die heimliche Beobachtung der Szenerie - Renate und Kusine Helmut nehmen ein Taxi, Erwin triumphiert: Wenig später ist Renate identifiziert und Helmut kann festgenommen werden.

Krimis sind lehrreich ... also nicht immer gleich den Wagen holen, wenn jemand danach verlangt, sei es Stephan Derrick oder sei es Renate Billert.

>> NEON Umfrage
>> Krimiblog
>> Zeit über Schleichwerbung

Montag, Mai 28, 2007

Die Vergessenen (Mysterythriller, USA 2004)

Die "verwaiste Mutter" Telly Paretta stellt plötzlich fest, wie ihr vor 14 Monaten verstorbener Sohn Sam plötzlich von Familienfotos verschwindet. Die Erinnerung anderer an Sam scheint zu verblassen, selbst sein Vater beginnt zu leugnen, dass es ihn je gegeben hat. Dann trifft sie Ash Correll, dessen Tochter beim gleichen Flugzeugunglück ums Leben kam. Auch er hat schon längt vergessen, dass er jemals eine Tochter hatte und säuft jeden Tag eine Flasche Bourbon. Doch mit Tellys Hilfe kommt seine Erinnerung zurück. Eine Suche - für die sich seltsamerweise auch die Agenten des NSA interessieren - beginnt.

Der Film ist sehr schematisch aufgebaut und hält sich - meiner Meinung nach - oft zu lange an Dingen auf, die schon längst klar sein müssten, ohne wirklich Spannendes zu liefern. Das Schema erinnert stark an den viel geschassten Syd Field:
Der erste Akt ist relativ Lau. Wir lernen über eine ganze halbe Stunde eine bemitleidenswerte Mutter kennen, die (so die Erklärung ihres Psychologen Gary Sinise) nach einer Fehlgeburt ein Trauma entwickelte. Das Ganze zieht sich in die Länge und erinnert an manche Groschenromane, nur um auf eine Überraschung abzuzielen: wenn sie verrückt ist, dann sind es alle diejenigen auch, die sich an Sam erinnern. Etwas mehr Verzahnung hätte hier sicherlich schon Wunder wirken können. Der erste Wendepunkt bringt Ashs Erinnerung zurück und ruft auch gleich die NSA auf den Plan.

Der zweite Akt besteht aus der Suche nach Erklärungen und nach den Kindern. Stets behindert duch die Agenten, die skrupellos sind, aber als echte Bedrohung zu spät aufkreuzen. Darin - möglicherweise als zentraler Punkt - wird klar, dass die Kinder wahrscheinlich noch leben, der gefangene Agent macht Andeutungen und die Aliens (hier zum ersten Mal ganz deutlich) machen ihn zum HB-Männchen, saugen ihn in die Luft. Insgesamt kommen die Informationen hier zu schleppend. Der zweite Wendepunkt - und daran hätte Jurij Lotman seine helle Freude - erfolgt durch eine Grenzüberschreitung: Telly kommt in die Halle der Aliens und tritt dem Leiter des Experiments gegenüber. Hier erfährt sie, was Phase ist und besteht auf Herausgabe ihres Sohnes. Der Außerirdische - zäh wie er ist - verliert gegen die Mutter. Sein Experiment ist gescheitert, auch er geht in die Luft und Sam kehrt zurück.

Die Punkte, welche diese Idee verwässern, sind folgende:
- Zu wenig Geschichte für viel Erzählung, mehr Komplexität hätte dem Film Bewegung geben können. Auch auf die Gefahr hin, ihn zwanzig Minuten länger zu machen.
- Mehr Verzahnung der Informationen hätte - im Gegensatz zu dem so offensichtlichen Schema - echte Bögen von Spannung und Neugier schaffen können. So zielt alles zu sehr auf Überraschung, die als punktueller Effekt der Spannung entgegensteht.
- Rundere Charaktere hätten dem Ganzen mehr Identifikationspotenzial geben können. Telly ist eine Mutter mit einem vage angedeuteten Kreativjob, Ash ist ein Ex-Eishockeystar mit Alkoholproblem. Beides nicht viel für etwas, das ins Kino soll.
- Regieseitig erinnerte die Atmosphäre stark an die "Mothman Prophezeihung", "Sixths Sense", CSI-New York usw.

Positiv bleiben zu vermerken:
- Die New-York-Bilder, die man aus vielen Filmen, die bloß Manhattan-Klischees wiederkäuen, so nicht kennt.
- Eine gute Idee, die mit Verschwörung, Bedrohung und guten Figuren sehr mitreißend hätte sein können.
- Das Herz einer Mutter, das hier sogar die "rote Pille" schlägt.

Weitere Stimmen:
>> Filmstarts.de
>> Die Fernseherin (zwischendurch weggepennt)
>> Knoepfchen
>> Fada88
>> Littlefoot

Samstag, Mai 26, 2007

Der Serviervorschlag - eine Textsorte des Alltags

Abstruse Formen nimmt er manchmal an, der Serviervorschlag, der als Textsorte eigentlich nur unsere Illusion nehmen soll, wir fänden in der Wurstpackung noch knackig frischen Salat, auf der Motorhaube eine Dame im Bikini oder in der winzigen Aluschale mit Geflügelinnereien gar ein kleines Kätzchen.

Von nicht allzu viel Selbstvertrauen zeugt dieses Exemplar, das nicht einmal das eigentliche Produkt zeigt. Man schlägt einen gemischten Salat vor - aber ohne die erworbene Krakauer...

Sonntag, Mai 13, 2007

Katheter und die neuen Flugreisebestimmungen

Soeben gelesen auf der Seite des Hamburg Airport:

"Für Passagiere, die es versäumt haben, ihre Flüssigkeiten vor Ankunft am Flughafen in eine Plastiktüte zu packen, hält Hamburg Airport Tüten bereit. Die Tüten werden an den Informationscountern in beiden Terminals sowie an den Airport Offices ausgegeben. Wer seine Flüssigkeiten nicht in die vorgeschriebenen Beutel verpackt, kann sie im Handgepäck nicht transportieren."

Hat man wohl Angst, dass die Fluggäste ihre Flüssigkeiten nicht bei sich behalten können.
Die Seite heißt schließlich "zu Ihrer Sicherheit", also falls das Bordklo mal wieder besetzt ist...

Siehe auch: Informationsdefizit Flugreisebestimmungen

Donnerstag, Mai 10, 2007

Nachlese eines Bloggergewinnspiels

Ein Rucksackhandel schrieb ein Gewinnspiel aus. Das dramaturgische Kontor nahm auch teil (wenn auch auf etwas unorthodoxe Weise).

Und jetzt:

- Diverse Blogger wurden offensichtlich gespamt.
- Einer Bloggerin wird von Anwälten gedroht.
- Es tobt eine negative Diskussion.
- Die Hauptgewinner wurden - im Gegensatz zu allen anderen - als Teilnehmer erst nach Beendigung des Spiels bekannt gegeben und hatten sogleich gewonnen.
- Die Gewinnerin betreibt ein frisch angemeldetes Weblog mit nur einem Beitrag - für das Gewinnspiel, ist also nach strenger Definition gar keine Bloggerin.
- Der Server des Zweitplatzierten ist überhaupt nicht erreichbar.
- Der Drittplatzierte ist zwar Blogger, bekommt aber nur einen 20 EUR-Gutschein.

Honi soit qui mal y pense...

Sonntag, April 29, 2007

Tatort: "Strandgut" (NDR 1972) und Stahlnetz: "Strandkorb" (NDR 1963)

Beide Krimis spielen auf einer Nordseeinsel, Stahlnetz auf Norderney und Tatort auf Sylt. Und auch sonst sind einige Parallelen auffällig: allein reisende Männer werden Opfer professioneller Verbrecher - in beiden Fällen sind Frauen Lockmittel und Männer die Drahtzieher. Stahlnetz behandelt das Thema Raub und Raubmord, im Tatort ist es Erpressung und Mord (mit einer ganz trickreichen Wendung). Zunächst ist jeweils unklar, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Und in beiden Folgen kommt die Kriminalpolizei ins Urlaubsparadies und ermittelt undercover.

Die Orte wirken ganz deutlich auf die Geschichte ein. In den 60er Jahren wird schon eine schöne Urlaubswelt gezeigt, viele Deutsche können sich wieder etwas leisten. Das Lebensgefühl wird als dolce vita am Strand mit schicken Bikinis und dem Spiel in Casinos gezeigt. Die Warnung davor, mit dem Urlaubswohlstand allzu sehr zu prahlen, ist explizit: viele Urlauber bestellen Milch und Zeitung nicht ab, andere beauftragen sogar einen telefonischen Auftragsdienst jedem Anrufer mitzuteilen, dass man 6 Wochen an der Küste verweilt. In den 70er Jahren ist es ähnlich, aber noch Freizügiger. Der Wohlstand hat sich gesetzt: die Folge ist voll von Nackten und tollen Autos. Die Urlaubsszenerie wird jeweils unterstützt durch aktuelle Musik jener Zeit, Stahlnetz zusätzlich mit Norderneyer Folklore, Tatort mit einem Urlaubssoundtrack aus der Feder von Nils Sustrate (erinnert fast an Loveboat).

"Strandgut" wirkt aufgrund der vielen Ähnlichkeiten wie ein Nachfolger von "Strandkorb 421", eine Inspiration wahrscheinlich. Aus heutiger Sicht sind beide hervorragende Zeitdokumente aus denen man einiges über das Lebensgefühl jener Zeit ablesen kann. In der Zusammenschau um so mehr.

>> Stahlnetz DVD-Kollektion

Freitag, April 27, 2007

Der Kommissar: "Jähes Ende einer interessanten Beziehung" (ZDF 1974) - Ausnahmefolge II

"Der Kommissar" hat grundsätzlich eine eher konservative Haltung: nicht selten werden Menschen dort deshalb zu Opfern, weil sie sich in schlechten Kreisen bewegen, statt "normal" zu arbeiten. So fassen die Hallenser mit Bezug auf Egon Netenjakob zusammen: "Den alten Bürgerlichen wurde einerseits ins Gewissen geredet, andererseits wurden sie in ihren konservativen Überzeugungen bestätigt". Sie zitieren Wolfgang Gast, der es noch einseitiger sieht: nach ihm enthielt die Serie "anti-aufklärerisches und anti-demokratisches Wirkungspotential" (Brück, S. 153). Auch Hickethier bestätigt: "Das biedere Normale galt es zu verteidigen, es stand gegen das Außergewöhnliche, gegen die Abweichung" (Hickethier, S. 194).

Doch genau das ist fraglich. Die hier angesprochene Folge belegt sehr deutlich, wie den Konservativen ins Gewissen geredet wird. Das Opfer Strassner wird deshalb ermordet, weil er einer ungebildeten Gesellschaftsschicht angehört und ein lockeres Leben führt - nur kann man ihm dies gar nicht recht zum Vorwurf machen. Zwar erpresst er die Frau, die er eigentlich liebt, doch dies ist nicht das Motiv für die Tat, sondern nur eine Finte: sterben musste er erst danach, als seine Liebe erwidert wurde, durch die Hand eines erzkonervativen Bürgers, der sich als hoffnungslos verbohrt zeigt. Dieser ist es, der seine Tochter in die Heimlichkeit zwingt und damit erst der Erpressung den Boden bereitet. Hier ist es nicht die Beatmusik, die ins Verderben führt, sondern das um Ansehen heischende "ehrbare Haus". Dieses Motiv wird in der Krimi-Serie "Derrick" noch stärker. Hinter der teuren Fassade Münchener Villen wohnt das Verbrechen. Und auch im Tatort ist die Sorge um das gute Ansehen reicher Familien sehr häufig Quell des Verbrechens (nur ein Beispiel: "Der dunkle Fleck" WDR 2002).

>> Vgl. Brück, Ingrid, Andrea Guder, Reinhold Viehoff, Karin Wehn: Der deutsche Fernsehkrimi. Stuttgart, Weimar 2003, S. 148-157.
>> Vgl. Hickethier, Knut 1985: „Die umkämpfte Normalität. Kriminalkommissare in deutschen Fernsehserien und ihre Darsteller.“ In: Ermert, Karl/Gast, Wolfgang (Hrsg.) 1985: Der neue deutsche Kriminalroman. Beiträge zu Darstellung, Interpretation und Kritik eines populären Genres . Rehburg-Loccum: Evangelische Akademie Loccum (= Loccumer Kolloquien, 5), S. 189-206. >> Hickethier analysiert die Darstellung der Normalität im Kommisar.

Sonntag, April 15, 2007

Der Kommissar: "Jähes Ende einer interessanten Beziehung" (ZDF 1974) - Ausnahmefolge I

Diese Folge aus der Serie "Der Kommissar" ist in mehrerlei Hinsicht eine Ausnahme. Zunächst ist davon der vielzitierte Alkoholkonsum betroffen.

Auf 'DER Fanseite zur KULT-Kriminalserie' ist ein sehr interessanter und akribischer Artikel konserviert worden, der nicht nur Aufschluss über wahres Fantum, sondern auch über die Bedeutung des Konsums in den 70er-Jahren gibt. In der besagten Folge wurden demnach - verhältnismäßig geringe - neun Portionen Alkohol getrunken. Dass davon alle neune von Nebenfiguren und nicht von den Ermittlern konsumiert werden, ist nicht besonders. Das kommt vor. Doch vor diesem Hintergrund fällt wirklich ins Auge, wie Keller ein angebotenes Glas offen ablehnt. Es ist also doch nicht so schlimm, wie alle sagen...

>> Astrid Paprotta über den Kommissar

Samstag, März 31, 2007

Im Körper des Feindes (USA 1997)

Dies ist die Geschichte meiner Kündigung als mein Chef, unser Produzent, sich entschied, einen Film mit John Woo, Meister des Actiongenres, zu machen. Woo selbst hatte das Drehbuch geschrieben und war sehr stolz darauf, wie sich eines Tages zeigte...

„Heda, Aufwachen! Wofür wirst du überhaupt bezahlt?!“, schrie er und schnippte gegen mein Ohr. „Dominique [so heißt unsere Praktikantin] bring dem Penner hier mal nen Kaffee. – Ich schreib das Skript des Jahrhunderts und er träumt!! – Gefangen im Körper des Feindes, mit einem Gesicht, das er am liebsten gar nicht mehr sehen würde. Das ist genial. Für die Rolle will ich John Travolta oder Michael Douglas“, brüllte er durch mein kleines Büro.

Ich wischte mir über die Augen und unterdrückte ein Gähnen: „Ein komischer Agent, der ein neues Gesicht bekommt ... lesen Sie Clever & Smart, Herr Woo?“ Böse Blicke straften mich, doch ich fuhr fort, „Prügeleien, Schießereien, explodierende Bomben – bitten Sie Travolta, »GlGlGl« zu machen, wenn man ihn würgt.“ Woo begann mich zu würgen, doch bevor ich »GlGlGl« machen konnte, brachte Dominique den Kaffee. „Oh Herr Woo“, himmelte sie ihn an, „das Buch ist einfach umwerfend, und diese Namen: Castor und Pollux, das ist genial, besser als Bonnie und Clyde.“ Woo schmunzelte. „Clever und Smart“, murmelte ich.

Nach einem tiefen Schluck Kaffee wandte ich mich wieder an Woo: „Ich habe da noch einige Unstimmigkeiten im Buch entdeckt. Hier zum Beispiel, wenn ein Arzt, ein wirklich guter Arzt von jemandem bedroht wird, der sein Gesicht verloren hat und dem dann ein anderes annähen soll, wird er ihn doch wohl betäuben. Und wenn er die Betäubung überdosiert, wird der Mann ohne Gesicht sicher sterben...“

„Papperlapapp“, grummelte Woo und seine asiatischen Gesichtszüge verkrampften sich, „ der Arzt muß sterben, sonst geht die Story nicht.“

„Und hier: der Typ ist FBI Agent, wenn er schon mit einem fremden Körper – noch dazu von seinem größten Feind – in einen Knast geht, wird er doch die Frage stellen, in welchen Knast es eigentlich geht, aber nein, Travolta (wenn er es denn machen will) fällt aus allen Wolken, als er sieht, dass der Knast eine Art Bohrinsel ist. Hier diese Textstelle »...er dreht sich noch einmal um, öffnet die Stahltür, tritt hinaus ins Freie und fällt aus allen Wolken...«, Herr Woo, könnte man da nicht noch etwas machen?"

„Der Zuschauer fällt eben auch aus allen Wolken“, sagte er gequält, „was willst du eigentlich? Der Spannungsbogen ist wie aus dem Taschenbuch, über Drehbuchschreiben, daß ich mir gekauft habe. Einleitung, 2. Akt, Auflösung mit Happy-End – nur mit einem Unterschied ... mein 2. Akt ist spannend, da ist Action drin!“, er schlug mit der flachen Hand auf meinen Schreibtisch. Ich versuchte gelangweilt das Papier des 2. Aktes zu glätten, über dem ich eingeschlafen war.

„Was wollt ihr hier eigentlich? Bestellt lieber schon mal die Flugzeuge, Autos und Motorbote!“, setzte er hinzu.

„Und sieh hier“, er blätterte in dem Drehbuch, das auf meinem Tisch lag, „die Gefängniswärter lassen die Schlägerei zu, ist das nicht irre?! Sie sehen zu, wie die beiden sich prügeln – ein Machtkampf! Er ist ausweglos gefangen im Körper des Feindes, im schlimmsten Gefängnis der USA – am Ende schafft er es doch. Das ist wahre Kunst, das Mitgefühl der Zuschauer ist uns sicher. Hast du Gefängnisthriller wie »Wedlock« gesehen, Dramaturg, oder »Brubaker«??“ „Ja“, ich trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte, „und »Blood in – Blood out« ... Das hier scheint mit auch etwas ungeschickt.“ – Woo begann, rot anzulaufen. – „Hier steht: »... sitzt an einem hochmodernen Computer und tippt hörbar auf der Tatstatur, er löscht eine Datei, die multimedial mit buntem Bild auf dem Monitor erscheint, der Computer macht typische Piepgeräusche, dann schiebt er eine Zip-Disk ins Laufwerk und eine nackte Frau erscheint auf dem Bildschirm...«.“ Langsam wurde Woo wirklich zornig: „Das ist doch gut. Ich hatte mal so ein Spiel auf meinem Amiga 500, so soll das hier auch aussehen.“

Ich schüttelte den Kopf: „ Hochmoderne Computer fiepsen nicht und werden außerdem mit einer Maus oder sonstirgendwas bedient, man tippt nicht mehr. Übrigens können wir Sponsoring beantragen, wenn er Windows 98 oder einen Mac benutzt. Aber warum eine Zip-Disk?“ – Er drohte mir mit dem Zeigefinger: „Solche Daten passen nicht auf eine Diskette, das ist realistisch, das merkt der junge Kinogänger, das solltest du wissen, Dramaturg.“

Dieser Woo war wirklich schwierig.

„Nun ist es aber genug, ich bin hier der Künstler und du arbeitest für mich. Sind die Änderungen gemacht worden, die ich angegeben hatte?“, er zog einen Schlussstrich unter meine Mängelliste und blätterte wild in dem Skript herum. „Was fehlt hier auf Seite 38, hmmh?“, er packte mich am Kragen, zog mich hinter meinem Schreibtisch hervor und schleuderte mich gegen die Heizung. Ich sah ihn fragend an. Ich wusste nicht, worauf er hinauswollte.

Er schlug mir ins Gesicht: „Wieso ist diese Schießerei hier auf Seite 86 geändert?? Ich will mindestens fünfmal im Film eine fliegende Kugel als Close-Up zeigen, die Idee ist von meinem kleinen Neffen!!“ – „Sorry“, entgegnete ich mit zitternder Stimme, „aber ich dachte, eine Kung-Fu Szene sei auch mal ganz cool.“ – „Aber, aber, ich dachte, ich wollte...“, er stieß mir meinen Messingbrieföffner ins Bein und drehte ihn um. Ich meinte bisher, der Unterschied zwischen Männern und Frauen sei, daß Männer wüssten, wann es genug ist, und wann es Zeit ist, ein Bier trinken zu gehen. Aber John Woo wollte kein Bier, er wollte Blut. Er rammte sein Knie dorthin, wo es richtig weh tut.

Während er meinen Kopf im Schwitzkasten immer wieder gegen die scharfe Kante des Tisches schlug fragte er weiter: „Und hier, wie auf Seite 38, was ist hier mit den Seiten 21 und 70? Hm? Ich habe es doch schon hundertmal gesagt.“ Als er mit meiner Schreibtischlampe mit dem Marmorsockel ausholen wollte konnte ich mich befreien, ich stolperte zu der Schublade, in der ich einen Revolver – Geschenk von Will Smith – aufbewahrte. Ich feuerte dreimal in seine Richtung und brach selbst neben ihm zusammen. Aus meinem rechten Ohr tropfte Blut von den schweren Verletzungen durch das Tischbein. Ich hörte noch wie er neben mir in einer Blutblase: „21, 38 und 70 sind die einzigen Seiten im Buch, wo noch keine Explosionen sind...“, sagte. Dann starb er.

Der Notarzt, der mich auf eine Trage hievte, raunte mir ins Ohr: „Warten Sie nur ab, in ein paar Stunden sind Sie wieder ganz der Alte.“ – „Ja“, flüsterte ich, „aber den Pickel am Po, der mich schon so lange piesackt, den können Sie jetzt weglassen.“

>> DVD: Face/Off - Im Körper des Feindes

Werner: "Gekotzt wird später"

Zum Kotzen eigentlich zu öde... und das hätte wirklich nicht sein müssen. Bei dieser vernachlässigten Dramaturgie hätte sogar der vielgeschmähte Ratgeber von Syd Fields noch was ausrichten können. Flachköpper machen, ist eben doch kein starkes Ziel, das einem Film Bewegung verleihen könnte und zwei Udel von der Schlei, die notorisch hinterher eiern, sind keine Gegner, die der Zielverwirlichung als Hindernis im Wege stehen könnten. Eckhard muss man einfach nur abfüllen und auch vier Popper können die Wernersens im aufgemotzten Oldsmobile nicht ausbremsen. So langweilig wie die Urlaub machen, müssen andere nicht einmal arbeiten.

Nee, Werner so wird das nix, das ham wir auch schonmal besser gesehen. Und ich sach noch, Werner...

>> DVD: Werner - Gekotzt wird später

Dienstag, März 27, 2007

Warum E-Mail, wenn's auch ein Wurstbrief sein darf?

Auf eine sehr nette Idee, den Kontakt zu Kunden, Geschäftspartnern, Familie und den Liebsten zu pflegen hat mich eben Tobi hingewiesen: den Wurstbrief der Metzgerei Böbel.
Die Idee ist jetzt zwar schon nicht mehr ganz neu, hat aber irgendwie mehr Witz als die meisten der pseudoviralen Aktionen, die mir in den letzten Wochen begegnet sind. Einziger Wermutstropfen ist die etwas bedienerunfreundliche Flashgestaltung - auf Pressebilder konnte ich unter Linux gar nicht zugreifen.

Freitag, März 09, 2007

Billiges Blogmarketing im Rucksack

Alle guten Hinweise für Word of Mouth Marketing ignoriert und offen um Werbung gebeten hat momentan der Rucksack Shop. Die Idee ist ganz einfach - man verspricht einen iPod und die Blogger bloggen kleine aber liebevolle Werbetextchen, schaden aber damit möglicherweise ihrem Aufbau stabiler Credibility. Der Erfolg dieser Maßnahme für den Shop ist etwas fraglich, nicht einmal ein ernstes Plus an Linkpopularität ist zu erwarten, bei einem Shop mit einem Pagerank von 5, der nun neue Links von Seiten eines Ranks von 0 bis 3 bezieht. Umgekehrt könnte es funktionieren - da die Blogbeiträge im 'Sackladen' gelistet werden, könnte der ein oder andere Blogger von der Rückverlinkung profitieren. Die Frage ist letztlich was mehr bringt, das Podversprechen und damit Beiträge von Katzenbloggern (zu denen ich mich auch zählen darf) oder ein paar gut platzierte Google-AdWords.

Anmerkung: Der hier verwendete Link ist natürlich der für die Teilnahme erforderliche ;-)

>> Siehe auch Don Alphonso über die Kommunikation in Blogs

Mittwoch, Februar 28, 2007

bobi - Der Brand Online Buzz Index

Ab morgen darf man gespannt sein: der Dienstleister für Internetmarketing und -marktforschung ethority bringt den ersten Index für Word of Mouth zu Marken aus einer Vielzahl von Branchen an den Start. Dieser erfasst nicht nur Blogs, sondern auch Onlineforen, die als wesentlich relevanter im Kaufentscheidungsprozess und reichweitenstärker in der aktiven Diskussion rund um Marken beurteilt werden.

Das dürfte eine aufschlussreiche Quelle für zukünftige Analysen zum Web 2.0 sein. Zu erwarten ist außerdem, dass dies eine wichtige Grundlage für zielgerichtetes Marketing der enthaltenen Marken werden wird.

>> E-Commerce-Blog
>> Connectedmarketing
>> Bernd Röthlingshöfer

Edit: 01.03.07
>> Und da isser: ethority bobi

Geschäfte mit dem Mythos der Verlinkung

Zeige mir, wen du kennst und ich sage dir, wer du bist...

Bei Klaus Eck habe ich eben entdeckt, welche tollen Geschäftsmodelle mit der Sucht nach Vernetzung möglich sind: man kann sich für schlappe 99ct./Monat Fake-Kontakte in MySpace leasen - mein Freund Harvey 2.0.

Früher mietete man sich tolle Kleidung um einen besonderen Status auszudrücken, heute ist Kleidung in Niedriglohnländern produziert und über eBay gehandelt sehr günstig, least man sich also gute Kontakte. Die Frage ist allerdings, ob einen diese Fake-Kandidaten auch mit anderen tollen Leuten vernetzen können, oder ob man damit eigentlich nur mit der ganzen Mischpoke von Verlierern vernetzt ist, die sich Prämium-Kontakte least...

Mittwoch, Februar 21, 2007

Doch kein Skandalfernsehen: "Teenager außer Kontrolle" (RTL)

Haben einige übereifrige Blogger schon Skandale gewittert, zeigte sich die Sendung "Teenager außer Kontrolle - Letzter Ausweg Wilder Westen" auf RTL doch ganz zivilisiert. Was RTL da aufgebaut hat ist ganz und gar kein Boot Camp, sondern nur die Wüstenei einer erweiterten Supernanny mit leichtem Unterbiss. Biss hat sie, wenn sie wie ihre Kollegin auf deutschem Familienbesuch klare Regeln und Sanktionen aufstellt. So einfach ist das. Der Rest ist ein sehr pädagogischer Campingausflug in die Wüste. Nett mit anzusehen und auch mit starkem Serieneffekt (wie wirde es wohl mit diesen gefallenen Jugendlichen noch ausgehen?). An einigen Stellen wirkte es seltsam gestellt - besonders in den Vorstellungsclips der Jugendlichen. Da fragt man sich allerdings, wie es um die Authentizität des Restes bestellt ist.

Niedlich: der knuffige Onkel Cowboy der mit Raufbolden Indianisch spricht und sie damit zähmt wie einen wilden Mustang. Die alten Motive ziehen auch hier.

>> Xantya´s Leben
>> Effekthascherei im TV
>> Mama, Papa und RTL – edutain me!

Donnerstag, Februar 15, 2007

Dienstag, Februar 13, 2007

Bolz: Web 2.0 wird eine ernst zu nehmende Konkurrenz zum Journalismus

Ein sehr interessanter und sehenswerter Beitrag vom NDR, in dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz zu Wort kommt, prophezeiht mit recht überzeugenden Argumenten, dass Web 2.0 zukünftig in eine ernste Konkurrenz zum Profijournalismus treten wird.

Einer der Gründe: die Mediennutzung verändert sich. Jugendliche haben eher einen Anspruch an Authentizität als an Objektivität. Hier zeigt sich insbesondere das Zusammenspiel von Kultur und Technik. "The machine is always social before it is technical" (Gilles Deleuze), und jetzt zeichnet sich ab, welches Bedürfnis dahinter steckt. DSL, Flatrates und Digitalkameras für jedermann ermöglichen das neue Kommunikationsverhalten und es darf erwartet werden, dass die Objektivität des Journalismus gegenüber einer kollektiven Subjektivität in den Hintergrund tritt.

Möglicherweise ist es der wissenschaftliche Spiegel des allgemeinen Hypes. Aber eine Frage die sich aufdrängt ist, ob der konstatierte Wunsch nach authentischer Information nicht der allgemeinen Mediensozialisation entspringt. Es sind seit Durchsetzung des privaten Rundfunks vor allem die "authentischen" Formate wie Daily-Talk oder Big Brother, die den Tag füllen. Unterhaltung wird hier als Information über die Welt formatiert. Damit werden Jugendliche heute in ihrem Medienkonsum sozialisiert. Früher war die Tagesschau das Highlight des Informationsprogramms und das für jung und alt, heute sind diese Unterhaltungsmischformen in der jüngeren Zielgruppe dominant. Eines dieser Mischformate, RTL Explosiv, arbeitet auch mit der Strategie, allen Berichten eine subjektive und "authentische" persönliche Note zu geben.

Geht man nun allerdings davon aus, dass diese authentischen Berichte aus dem Leben anderer Leute vor allem in der Pubertät zum Austesten von Rollenverhalten genutzt werden und danach kaum noch eine Rolle spielen (wie alt ist das Durchschnittspublikum dieser Sendungen?), darf man vermuten, dass mit der Reife der Wunsch nach authentischer Information dem Wunsch nach objektiver Information weicht. These: für ein Publikum ab ca. 24 werden die "klassischen" Medien mit objektiver journalistischer Berichterstattung immer eine bedeutende Rolle spielen. Blogs wird es natürlich immer geben, aber nicht als Ersatz einer objektiven und umfassenden Tagesinformation. Schon allein, weil der Redaktionsaufwand - alles Wichtige eines Tages auszuwählen und zu lesen - vom Leser selbst übernommen werden muss.

>> via Klaus Eck >> via Robert Basic

Samstag, Februar 10, 2007

Studie zum Web 2.0 und seiner Nutzung

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die result GmbH (Markt- und Medienforschung) die in Zusammenarbeit mit der Medienforschung des SWR entstandene Studie "Web 2.0: Begriffsdefinition und eine Analyse der Auswirkungen auf das allgemeine Mediennutzungsverhalten". Darin sind einige sehr interessante Aspekte enthalten, wie etwa die Zahlen zur Onlinenutzung, die bereits 2006 in der ARD/ZDF-Onlinestudie ermittelt wurden: hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung nutzen 12 % das Web 2.0, 47% nutzen zwar das Internet, nicht aber die spezifischen Web 2.0-Angebote und 41 % nutzen das Internet gar nicht. Gemessen an den Onlinern ist das Verhältnis (2006) immer noch 20 zu 80 Prozent. Es wird interessant werden, zu beobachten, wie sich das neue Nutzerverhalten (denn das ist es, was 2.0 von 1.0 unterscheidet: nicht die Technik, sondern das Nutzerverhalten von passiv zu aktiv) 2007 entwickeln wird. Eine wirklich griffige und trennscharfe Definition des Web 2.0 liefert diese Studie leider nicht.

Etwas seltsam wirkt allerdings das ermittelte Verhältnis von aktiver und passiver Nutzung des Web 2.0: 43 % partizipieren passiv und eine Mehrheit von 57 % aktiv. Die aktive Nutzung ist dabei sogar sehr eng definiert: „Aktiv partizipierende Nutzer sind entweder: 'produzierende Nutzer', die mehr als einmal im Monat Beiträge in mindestens einem der sechs Bereiche veröffentlichen, und/oder 'kommunizierende Nutzer', die mehr als fünfmal im Monat Kommentare oder Diskussionsbeiträge abgeben".

Dieses Ergebnis widerspricht der 90-9-1 Regel für die Nutzung von Communities, die besagt, dass 90% in Foren/Communities nur lesen, 9% hin und wieder eigene Beiträge schreiben und nur 1% sich regelmäßig aktiv beteiligt. Was führt also zu dieser aktiven Mehrheit in der Result-Studie? Offensichtlich wurde als Grundlage für diese Studie eine Mehrheit aktiver Nutzer ausgewählt (wie führt man so eine Studie durch - man schreibt Blogger an oder man bittet auf Web 2.0 Seiten um Mithilfe). Es ist immer noch sehr wahrscheinlich, dass diejenigen Nutzer, die das Web 2.0 - insbesondere Blogs und Communities passiv nutzen und dort von Suchmaschinen hingeleitet werden, wenn sie nach Informationen suchen, überhaupt nicht wissen, dass sie Blogs oder Foren bzw. Web 2.0 lesen. Allenfalls registrieren sie, dass man sich dort selbst registrieren könnte, um Fragen zu stellen oder dass die Seite "irgendwie komisch" aussieht und nicht ganz dem entspricht, was sie suchen. Es scheint, als hätte die Studie diese Nutzer überhaupt nicht berücksichtigt. Das beste Beispiel ist Wikipedia: Web 2.0 im besten Sinne der Definition, von Abertausenden genutzt, aber nur von den Allerwenigsten aktiv oder überhaupt mit Bewusstsein 2.0. Es ist zu vermuten, das viele Nutzer denken, es handele sich um eine kostenlose Enzyklopädie - ohne zu hinterfragen, wie diese entstanden ist oder warum sie überhaupt kostenlos angeboten werden kann.

Abgesehen davon ist es natürlich einleuchtend und eine notwendige Eigenschaft des Web 2.0, dass die aktive Nutzung überwiegt - bei denen, die es bewusst nutzen (offensichtlich diejenigen, die für die Studie befragt wurden).

Sonntag, Januar 28, 2007

Von der guten Gesundheit zur neuen Unsicherheit

Lange Zeit hatte es in Deutschland Tradition, einem armen Menschen, den ein Nieser schüttelte, Gesundheit zu wünschen. Das ist kein deutscher Alleingang. Spanier sagen "Jesús", Briten "Bless you" und Amerikaner sogar "Gesundheit". Nun hat eine Zelle naseweißer Intellektueller die These aufgestellt, der Gesundheit-Wünscher denke dabei nur an seine eigene Gesundheit, ohnehin gehöre es sich nicht, in die Privatsphäre anderer Menschen vorzudringen, und schon herrscht große Unsicherheit in deutschen Landen, besonders in der Saison grippaler Moden. War derartigen Bestrebungen noch vor einem Jahr wenig Erfolg beschieden, wirkt es sich heute schon in weiten Kreisen der Bevölkerung aus. Entschuldigen soll er sich, der Niesende, schändlich genug, dass er seinen körperlichen Bedürfnissen in aller Öffentlich nachzukommen wagt. Klingt es doch alles wie eine Initiative der Bild-"Zeitung", um das Winterloch zu füllen, wird es doch verkauft, als sei es Knigges neuester posthumer Erguss. Schon hört man ein ernstes "Entschuldige dich mal", wo gestern noch mitfühlene "Gesundheit" waltete. Ist das Ganze nun ein deutscher Alleingang oder wird sich das spanische "Jesús" auch irgendwann zu "qué verguenza" oder Schlimmerem wandeln? Nichts gegen regelmäßiges Händewaschen bei Erkältung, aber das alles ist unheimlich künstlich, aufoktroiert und suspekt. Dann doch lieber ein "Prost", "Gott schenke dir Schlappohren" oder "verreck, du Aas" - das kommt wenigstens von Herzen!

>> In der Schweiz ist die Welt noch in Ordnung.

Dienstag, Januar 16, 2007

2030 - Aufstand der Alten (ZDF, 16.01.07)

Dieses fiktive Doku-Drama ist ein eigewilliges Experiment, das an Wolfgang Menges Zukunftsszenarien "Das Millionenspiel" (1970) oder "Smog" (1973) erinnert: fiktional-dokumentarische Formate, die einen Missstand in der Gesellschaft herausgreifen. Doch Menge ist fern. Hier wird nichts deutlich angeprangert, Kritik entsteht allenfalls in den Köpfen der Zuschauer. Alles in allem wirkt der "Aufstand der Alten" doch am ehesten wie eine Dauerwebesendung für private Rentenvorsorge und Krankenzusatzversicherungen. Diese werden zuweilen ganz plakativ empfohlen, wie etwa im Porträt der Drei-Generationen-Familie.

Seltsam fiktiv kommt die Sendung daher, obwohl der Stil stark an den des authentischen Doku-Dramas angelehnt ist: die Dialoge wirken doch zu sehr durchgeplant. "Die Entwicklung eines neuen Fernsehformats" steckt trotz aller möglicher Vorbilder (warum denn nicht bei Menge lernen?) und machbarer Umsetzung in den Kinderschuhen. Die "investigative Journalistin" Lena Bach wirkt arg aufgesetzt. Warum diese Geschichte nun überhaupt als Dreiteiler angeboten wird, bleibt schleierhaft.

Edit 17.01.07:
Ob gewollt oder nicht, der Film ist sehr optimistisch und strahlt eine positive Botschaft aus: Protagonist Sven Dahrow ist bereits mit unter 70 Jahren in Rente gegangen und er hatte bis dahin eine feste Arbeit! Warten wir's also ab...

Montag, Januar 08, 2007

Tatort: "Die Blume des Bösen" (WDR, 01.01.07) - Achtung, enthält Spoiler

Der Eröffnungstatort des Jahres 2007 ist anerkanntermaßen voller Spannung. Tatsächlich wird in diesem Krimi kaum ein Mittel ausgelassen, Spannung zu erhöhen. Hauptsächlich wird dabei auf bewährte Mittel zurückgegriffen, was aber dem Erlebnis ebenso wenig einen Abbruch tut wie die schon häufig erzählte Geschichte der Rache an einem Polizisten (wie vor nicht allzu langer Zeit bei CSI).

Der "Chef der Hamburger Ermittler" (Jürgen Schornagel) hat hier Gelegenheit einmal in die Rolle des kranken Bösen zu schlüpfen und in einer Anlehnung an "Stirb Langsam Teil 3" Max Ballauf durch Köln zu hetzen. Besonders in Kameraeinstellungen und Beleuchtung wird das Drehbuch fantastisch umgesetzt. In einigen Szenen wirkt Klaus J. Behrdendt tatsächlich um Jahre gealtert.

Was auf dieser Spannungsjagd alles auf der Strecke bleiben musste, wurde schon recht ausführlich bei Stralau und an anderen Stellen besprochen. Deshalb hier nur zwei Dinge herausgegriffen:

1.) Intertextualität

Der Tatort arbeitet mit einer offensichtlichen Intertextualität: "Die Blumen des Bösen" (Les fleurs du mal) ist eine Gedichtsammlung von Baudelaire. Doch was ist die Konsequenz? Ein oberflächlicher Blick (zu mehr reicht leider meine Zeit nicht) zeigt, dass hier nur wenig übernommen wurde, am auffälligsten der Titel. Außerdem wurde der Text für ein Rätsel herangezogen. Dieses Rätsel wurde nur erwähnt, nicht aber zum Mitraten bereit gestellt. Zunächst mochte man annehmen, dass dies aus Zeitgründen geschah, um den Rahmen der 90 Minuten nicht zu sprengen. Ein gut platziertes Mitratespiel macht schließlich einen dramaturgischen Reiz aus. Doch bei der näheren Prüfeung wird klar, dass hier vor allem gescheut wurde, ein feinsinniges Rätsel zu entwerfen. Bei Baudelaire kommt jedenfalls keine Beatrice vor und auch die Lilie spielt nur eine Nebenrolle. Schuld und Wahrheit dagegen, werden häufiger erwähnt. Wie es scheint hätte dieses Rätsel entweder nur dünn bleiben können oder einen Riesenaufwand der Erklärung bedeutet.

Eine ausführliche Erörterung dieses Bezugs könnte sich lohnen. Ein Blick auf den Chabrol-Film "Die Blume des Bösen" von 2003 sicherlich auch.

2.) Die dramaturgische Zwickmühle am Ende

Das Finale ist vertrackt. Täter Kuschmann hat Schenk überwältigt und Ballauf weiß nicht, wo und wie bedroht die kleine Anna ist. Man kann jetzt sagen (Erschieß den Täter und gut is!), doch ist es so einfach? Kuschmann sagt selbst, er hätte sich abgesichtert: "Meinen Sie ich gehe in die Höhle des Löwen ohne Rückversicherung?" Hätte man dies weiter ausgeführt (ein zweiter Täter wäre unwahrscheinlich, also z.B. "Anna braucht in 10 Minuten ein Gegenmittel, das nur ich kenne"), wäre die Situation wesentlich komplexer geworden. Ballauf hätte sicht fragen müssen, wen er opfern soll? Schenk oder Anna? Das alles bleibt implizit, zum Selbst-Zusammendenken. Ballauf schießt jedenfalls erst, als er Anna nach der Katze "Tinka" flüstern hört.

Edit 25.01.07:
Interessant, welche Ungereimtheiten Julia beim genaueren Hinsehen entdeckt hat.